Maibaum 2022

Nach rund 6 Jahren und einer Pandemie später, war es in diesem Jahr endlich wieder so weit: Maibaumaufstellen zum 1. Mai am Rathausplatz.
Trotz anfänglicher Unsicherheiten aufgrund der vorherrschenden Corona-Lage trafen wir im März die Entscheidung – ein neuer Baum muss her!
Die Suche nach dem geeigneten Holzstangerl gestaltete sich dann auch recht schnell als erfolgreich. Eine stattliche 33,5m Fichte aus Jesenwang sollte es werden. Umgeschnitten und transportiert von unserem Mitglied Reiner samt seiner Mannschaft, kam der Baum am Sonntag den 23.4 in seiner neuen Heimat an – dem Naßlhof in Gröbenzell. Einigen von uns war die Müdigkeit früh morgens allerdings noch deutlich anzusehen. Hatte unser Vorstand Ralf doch am Abend davor erst seinen 60. Geburtstag gefeiert.
Nichtsdestotrotz ging es dann bereits an Tag 1 ordentlich zur Sache. Es wurde geschepst, gehobelt und gesägt was das Zeug hielt um den Baum für seinen großen Tag vorzubereiten. Da wir mit vollem Eifer so schnell waren, dass wir uns manchmal selbst bremsen mussten, machte es dann auch nichts aus, dass wir an den folgenden zwei Tagen eine wetterbedingte Arbeitspause einlegen sollten. Hier konnte lediglich die Einfassung für das Gestell fertig gemacht werden. Kein Problem – wir lagen weiterhin sehr gut in der Zeit. Auch war es nicht nur die Arbeit, die es lohnenswert machte, am Maibaum vorbeizuschauen. Es wurde täglich derart gut aufgekocht, dass man zwischen den ganzen Schnitzeln, Cevapcicis, Gulaschsuppen und dergleichen meinen konnte, wir hätten einen Catering-Service für die Arbeitswoche bestellt. Ja so etwas gab es dann auch bei uns noch nie – Vergelt´s Gott an alle fleißigen Köchinnen und Köche, ihr wart einsame Spitze!
Nachdem sich am Mittwoch dann das Wetter endlich besserte, konnte dann auch die Arbeit der vereinseigenen Maß- und Schätzspezialisten aufgenommen werden: Schilder und Tafeln anzeichnen, bohren, schrauben. Ob sie es gescheit gemacht haben? Was für eine Frage…wenn sogar der Burkhart Fredl sagt „i moan dass basst“, dann ist es wohl der Perfektion sehr nahe.
Es blieb sogar noch Zeit, um die Girlande und den Kranz am Baum anzubringen. Man konnte sagen, dass der Baum nun fertig und wunderschön war. Dass nicht nur wir den Baum wunderschön fanden, sollte sich dann auch gleich in der darauffolgenden Nacht zeigen.
Alles begann mit der ersten Wachschicht unserer Maibaumneulinge Ines und Anja (manchmal auch einfach nur liebevoll „die Schnapsmamis“ genannt). Die Aufgabe für die beiden war denkbar schwer. Waren doch noch so viele Fragen ungeklärt: Wie bleiben wir wach? Wie passt man auf einen Maibaum auf? Was passiert eigentlich wenn jemand kommt? Ach ja, und gibt’s Aperol?
„Ach da kommt eh niemand, und wenn doch, dann legen wir halt die Hand auf den Baum und färrdsch!“ Mit diesem sicheren Gedanken im Hinterkopf und einer glücklicherweise ruhigen ersten Nachthälfte schafften es die beiden, die Zeit bis 1 Uhr schadlos zu überstehen. Rettung nahte.
In Form unseres 1. Vorstands Ralf und seiner Frau Martina. Da zunächst alles ruhig war, konnte es da schon einmal passieren, dass man dann um 4 Uhr in der Früh die Tagesordnung für die nächste Ausschusssitzung im E-Mail Postfach hatte. Ralf wusste die Zeit wohl bestens zu nutzen.
Unterbrochen wurde das frohe Schaffen erst durch ein fremdes Geräusch aus dem Freien. Ralf machte sich direkt auf den Weg aus der Wachhütte um dem Ganzen nachzugehen. Nach mehrmaligen vergewissernden Blick, sah er einen ausgewachsenen und waschechten bayrischen Maibaumdieb. Bewaffnet mit einem Kantholz stand er da, um uns unsere hölzerne Schönheit mit seinen 40 Diebesfreunden zu entwenden. Doch nicht mit Ralf. „Der Baum bleibt da, schleichts eich“ ,schallte es über den Naßlhof. So mussten die Diebe geknickt von dannen ziehen. Wir wären auch geknickt gewesen. 40 Leute, Holzwagen bereits auf der Zillerhofstraße, Bulldog wartend an der Tankstelle – eigentlich ein perfekter Plan. Nicht mit uns!
Freundlicherweise verrieten die Diebe dann im anschließenden kurzen Plausch auch wo sie denn eigentlich her waren: Allach und Feldmoching!
Netter Versuch, aber der Baum bleibt ein Gröbenzeller. Und klauen ist sowieso zwecklos. Auch in den folgenden Nächten konnten einige Spähversuche bereits bei der Anfahrt im Keim erstickt werden. Fort Naßlhof…Keine Chance.

Nachdem sich die Nachricht über den vereitelten Diebstahl am nächsten Tag in Windeseile in der ganzen Region verbreitet hatte, gingen wir schnell wieder zum Tagesgeschäft über. Arbeiten und Essen. So musste noch der Maibaumspitz für den Wettergockel vorbereitet werden und auch restliche Kleinarbeiten wie Baum putzen, schleifen, verzurren mussten erledigt werden.
Als Highlight der Arbeitswoche konnte man dann noch den Freitag Abend bezeichnen. Gemeinsames Würschtl grillen mit der Jugend, anschließend packende Beerpong Duelle der Jungen am Baum so wie Vereins-Nachtwache. Ihr könnt euch die Gaudi wahrscheinlich ganz gut vorstellen.
Beim Auflegen des Baums am Samstag hatten wir dann gleich noch tatkräftige Unterstützung aus dem Ort. Die Jugendfeuerwehr verlängerte einfach ihre Wache um mehrere Stunden um ihren Anteil am Baum zu leisten. Spitze Buam! So waren wir sehr schnell fertig und uns blieb nur noch eine Arbeit…wieder Essen. (Roswitha, der Braten war legendär!)
Am darauffolgenden Tag war es dann endlich soweit. Sonntag 1. Mai. In aller Herrgottsfrühe machte sich der Baum langsam auf den Weg zu seinem Bestimmungsort. Dem Rathausplatz. Dass er dabei ca. 20 Minuten unbewacht war, lassen wir aber lieber mal verschwiegen. Peter hatte ja Schlaf auch ganz dringend nötig. Das anschließende wachwerden fiel ihm dafür ganz leicht. 15 Minuten vom Aufstehen in Esting zum Maibaum. Vermutlich Weltrekord.
Auch bei der anschließenden Fahrt vom Hof zum Rathaus kamen er und Max als Lenker des Gespanns ordentlich ins Schwitzen. Reiner wählte eine ideale Transportgeschwindigkeit von irgendwas zwischen entspanntem Nordic-Walking und Tour de France Zieleinfahrt.
In Rekordzeit wurde der Baum dann anschließend abgeladen, mit Schildern und Tafeln beschraubt und in Position gebracht. Nachdem der Kaffee- und Kuchenstand aufgebaut war und alle Arbeiter frisch geduscht und in voller Trachtenmontur zurück waren, konnte es endlich losgehen.
Nein noch nicht ganz…erst musste das Vorstandsgefährt noch geborgen werden, da es leider der allgemeinen Maibaumhektik zum Opfer gefallen ist. Kaltumformung von Kotflügeln ist vielleicht aber auch einfach nur Richards neues Spezialgebiet :D.
Unsere Mitglieder sperrten dann noch schnell den Rathausplatz um die zahlreich erschienen Zuschauern in ausreichenden Sicherheitsabstand zu bringen, ehe sich der Baum am Haken des Krans langsam in die Höhe streckte. Ja ein Kran… dafür mussten wir uns natürlich den ein oder anderen Spruch im Nachhinein anhören, doch um den Baum mit der Hand und entsprechenden Gerätschaften aufzustellen fehlt uns leider aktuell NOCH das nötige Know-How, Equipment und schlichtweg die Man-Power.
Sobald sich unser schöner 33m Maibaum (5m abgeschnitten und immer noch 33m, ja das geht) dann samt Gockel in Parkposition befand, starteten wir mit dem traditionellen Bandltanz. Viele Sorgen bereitete er uns im Vorfeld. Was haben wir bloß improvisiert, geplant und verschoben…egal, so schön wie beim Auftritt hat er die ganze Zeit nicht geklappt. Hut ab!
Auch die anderen Tänze und Plattler zusammen mit der Jugend klappten wie am Schnürchen, was uns die allgemeine Resonanz der anwesenden Zuschauer auch bestätigte.
Im Anschluss ließen wir den ereignisreichen Tag und die arbeitsintensive aber schöne Woche am Maifest der Grünen in Gröbenzell ausklingen.
Apropos arbeitsintensiv: Den Preis für den größtmöglichen Einsatz der Woche müssen wir an unser vereinseigenes Maibaum-Duracellhäschen Uli vergeben. Wer sich extra zum Arbeiten am Baum eine Woche Urlaub nimmt, immer da ist, egal ob Auf- und Abbau, arbeiten, fahren und sogar zwei Nachtwachen einschiebt, der hat den allergrößten Respekt verdient. Danke Uli!

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Ort nun endlich wieder einen Maibaum in seinem zentralen Mittelpunkt stehen hat. Der Trachtenverein hat dazu seinen wertvollen Anteil geleistet, um die Tradition zu wahren und das Brauchtum fortzuführen. Wir freuen uns bereits jetzt auf den nächsten Maibaum!

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